Vom Vergnügen älter zu werden

In dem gleichnamigen Buch räumt Maria G. Baier-D’Orazio mit vielen Vorurteilen und Denkmustern bezüglich der 3. Lebensphase auf. Anhand zahlreicher Beispiele beweist sie uns, dass älter werden durchaus Spaß machen kann, was auch der Untertitel zum Buch ausdrückt

Fit, frech, fröhlich, frei 
das Leben genießen!

Ich finde, gerade wenn man älter wird, und machen wir uns nichts vor, das werden wir (hoffentlich) alle, ist es besonders wichtig unsere Denkmuster gegenüber dem Alter zu hinterfragen. Ich bin jedenfalls bei der Lektüre des Buches so einigen unbewussten Glaubenssätzen auf die Spur gekommen. Diese aufzuspüren und zu hinterfragen, kann so viel verändern.

Oft sind es aber auch die vielfach kolportierten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns zu schaffen machen. Sie scheinen zu beweisen, dass wir unweigerlich abbauen, dass wir im Alter nicht mehr so belastbar sind, schwerer Neues lernen und und und

Lustig ist nur, dass neuere wissenschaftlichen Erkenntnisse weit weniger oft Verbreitung finden. Und das obwohl sie vielfach beweisen, dass die vorangegangenen schlichtweg falsch waren. Letzte Erkenntnisse zeigen ein ganz anderes Bild, viel ermutigendere Altersszenarien als wir uns vorstellen können.

Doch solange wir davon überzeugt sind, dass es nur bergab gehen kann, wird es das auch, denn schon in der Bibel steht „dir geschehe nach deinem Glauben“. Was du glaubst und denkst, das erschaffst du.

Deshalb ist es so wichtige, dass es Bücher wie dieses gibt, das uns zeigt, dass es auch anders geht.

Die Menschen, welche Maria Baier-D’Orazio in ihrem Buch vorstellt, leben alle auf ihre eigene Art. Doch sie alle haben etwas gefunden, dass sie lange fit und gesund erhält und ihrem Leben auch in späteren Jahren einen Sinn gibt.

Die Welt braucht solche Rolemodels, Menschen die uns zeigen, was alles möglich ist.

Gesundheit im Alter

Glaubst auch du, dass du im Alter unvermeidbar von irgendwelchen Wehwehchen geplagt werden musst? Dann frag dich mal, ob das nicht nur ein Gedanke ist, eine Art negative Programmierung, die zur selbsterfüllende Prophezeiung wird.

Denn zahlreiche Beispiele beweisen, dass Leute, die in jungen Jahren zahlreiche Krankheiten hatten, oft im Alter kerngesund waren. Doch das kommt natürlich nicht von ungefähr. Sie haben meist aufgrund ihrer frühen Erkrankung ihren Lebensstil umgestellt, sich bewusster ernährt, bewegt und gesunde Gedanken gedacht.

Eines der Beispiele von Maria Baier-D’Orazio ist die Lebensgeschichte von Hulda Crooks, die als junge Frau übergewichtig, extrem unsportlich und ständig krank war. Mit über 90 war dieselbe Frau sportlich und gesund, liebte das Bergsteigen, stieg auf Viertausender und hatte laut ihrem Arzt „das Herz und die Lunge eines 18-jährigen Mädchens“. Ja, das geht.

Wie sehr wir unbewusst Alter mit Krankheit und Verfall gleichsetzen zeigt sich zum Beispiel, wenn wir morgens mit Rückenschmerzen aufwachen. Mit 20 fragen wir uns dann wahrscheinlich, was wir am Vortag gemacht haben, dass uns alles weh tut. Mit 50 denken viele jedoch eher „ich werd halt langsam alt“. Aber ist das wirklich die einzig mögliche Erklärung?

Eine Stelle in Maria Baier-D’Orazio Buch „Vom Vergnügen älter zu werden“ gefällt mir besonders. Sie antwortet auf die Argumentation, dass „jeder Mensch über 60 was hat, das beweisen ja schon die vollen Wartezimmer der Ärzte‘:

Dass ein Wartezimmer mit 15 Stühlen ‚voll‘ ist, sagt nichts aus über all jene, die nicht darin sitzen. Und wenn der Bekanntenkreis Medikamente braucht, so sagt dies etwas über die Bekannten aus, nicht aber müder die ganze Spezies Mensch.

Frag dich doch auch mal, was wäre, wenn es nicht das Alter sondern die Lebensweise ist, die uns krank macht – schlechte Ernährung, wenig Bewegung, zu wenig Schlaf, zu viel Stress (auch Freizeitstress)!?!

Die gute Nachricht: Dagegen lässt sich was tun 😀

Wusstest du zum Beispiel,
dass Muskelaufbau lebenslang möglich ist? 

Muskeln, die wir nutzen, bleiben uns erhalten.
Muskeln, die wir mehr fordern, wachsen – und das ein Leben lang.

Wie sehr sich das körperliche Erscheinungsbild auch noch im hohen Alter verändern lässt, erfahren wir anhand von Dr. Charles Eugster, einem Zahnarzt im Ruhestand, der mit 85 Jahren fand, dass sein Körper allmählich schlaff wurde und mit dem Krafttraining begann. Er nahm in Folge an zahlreichen Wettkämpfen der Bodybuilder teil und als er 94 war, schrieb ein Journalist über ihn, er besitze „einen Bizepsumfang um den ihn sicher viele 25-jährige Männer beneiden“ würden.

Charles Eugster (Fotocredit charleseugster.net)

Charles Eugster, Bestager 90+ (Fotocredit charleseugster.net)

Mehr über Charles Engster und seine bemerkenswerte späte Karriere als Sportler findest du hier:
Charles Eugster auf Wikipedia

Dr. Charles Eugster selbst fand allerdings, dass unser ‚normales‘ Denken über Alter und Krankheit schuld an den zahlreichen wenig gesunden Menschen sei.Viele glauben bewusst oder unbewusst, dass zunehmendes Alter in der Regel physischen Verfall bedeutet und es nur wenige Ausnahmen gibt. Doch muss das wirklich so sein?

Muskeln könne man in jedem Alter aufbauen, meint er, nur hätten sich bisher kaum Wissenschaftler für Sport im Alter interessiert. „Mich als Vorbild zu sehen, ist absurd“, sagt er. „Ich sollte der Normalfall sein.“

Doch machen wir uns nichts vor, von nichts kommt nichts und wer lange fit sein und sein Leben genießen will, muss sich eben auch bewegen.

Doch du musst nicht gleich ins Extrem fallen, es geht mehr um die regelmäßige Bewegung. Du musst nicht unbedingt Joggen oder gar ein Marathon laufen oder dich im Fitnesscenter abquälen (obwohl auch das Training dort durchaus Spaß machen kann). Mach es, wenn es dir Spaß macht und dir gut tut, aber denk dran, auch Nordic Walking, Rad fahren, tanzen, wandern, lange Spaziergänge, Treppen steigen, Yoga, Pilates oder Mrs. Sporty bewirken schon so einiges.

Das Wichtigste ist, den Kreislauf regelmäßig in Schwung zu bekommen.

Und wenn du noch etwas Inspiration brauchtst, hier sind noch ein paar Beispiele für körperliche Fitness im Alter: http://www.garmaonhealth.com/masters-who-defy-age/

Und was ist mit den geistigen Fähigkeiten im Alter?

Lange Zeit waren Wissenschaftler der Überzeugung, dass das Gehirn im Alter abbaut, wir somit länger zum lernen brauchen und immer weniger behalten. Das wir schon mit einer fixen Anzahl von Gehirnzellen zur Welt kämen, wovon zahlreiche täglich absterben und nicht nachgebildet werden können.

Aber waren sich die Wissenschaftler nicht auch einmal darüber einig, dass die Erde eine Scheibe sei, im Mittelpunkt des Universums steht und das weibliche Gehirn nie an die Fähigkeiten des männlichen herankommen würde? Wie lange hat die Menschheit geglaubt, sich in die Luft zu erheben wäre unmöglich und heute ist es alltäglich.

Eine Eigenschaft, die uns garantiert jung hält, ist die Bereitschaft, ‚feststehende‘ Überzeugungen in Frage zu stellen. Oder wie Maria es ausdrückt:

Es gibt weniger Grenzen für Lernen im Alter als wir meinen

Neueste Erkenntnisse der Gehirnforschung ergaben übrigens, dass das Gehirn nach folgenden Prinzipien arbeitet – Nutzung (Stimulation) und Energiesparen.

Was unser Gehirn braucht ist Stimulation, wie zum Beispiel jeden Tag etwas Neues zu machen. Das führt zu neuen Vernetzungen und versetzt und in die Lage Zusammenhänge zu erkennen, kreative Lösungen zu finden, quer (also vernetzt) zu denken. Mit je mehr unterschiedlichen Themen wir uns beschäftigen, desto besser funktioniert unser Gehirn – auch im Alter.

Sich stets wiederholende Gedanken führen hingegen zu eingefahrenen Mustern (vergleichbar mit einem Trampelpfad, je öfter wir ihn nutzen, desto breiter wird er). Das ermöglicht uns zwar Automatismen, die Energie sparen, lässt aber auch ungenutzter Teile im Laufe der Zeit verkümmern. Denn das Gehirn kappt im Laufe der Zeit alle Verbindungen (Vernetzungen), die nicht genutzt (also scheinbar nicht gebraucht) werden.

Wenn du also Lust bekommen hast, dein Denken über das Älterwerden mal zu hinterfragen und deine Sichtweise gegenüber älteren Menschen zu überdenken, kann ich dir die Lektüre dieses inspirierenden Buches Vom Vergnügen, älter zu werden: Fit, frech, fröhlich, frei das Leben genießen von Maria G. Baier-D’Orazio nur wärmstens empfehlen.

Hier sind noch einige Auszüge aus dem Inhaltsverzeichnis, die glaube ich für sich sprechen:

Vom Vergnügen älter zu werden

Krank in der Jugend, fit im Alter? Es ist möglich
Mit 91 Jahren auf den Fujiyama – Fulda Cross

Sich vom „Krankdenken“ nicht vereinnahmen lassen
„Nicht so viel über Krankheit reden“ – Dr. Hermann Pünder, 90 Jahre

Widrigkeiten sind dazu da, sie zu überwinden
„Get up and try“ – Hilda Kemp, 98 Jahre

Kontakt mit Menschen – ein wahres Lebenselixier
„I like to meet people“ – Phyllis Self, Geschäftsfrau mit 102 Jahren

Mut zu Neuen, Mut zum Wagnis – in jedem Alter
Mit 85 das Abseilen entdeckt, „weil es Spaß macht“ – Doris Long

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
Allan Stewart: Bachelor werden mit 91 Jahren

Attraktivität im Alter
„mit 70 Jahren alle beeindrucken“ – Ilse Pätau

Zukunft bewusst gestalten und erweitern

Der rote Faden im Leben
Ein Beruf, der Berufung ist, hält lange jung
Artist aus Leidenschaft – Konrad Thurana, 98 Jahre

Von der Offenheit des Geistes
Altwerden beginnt im Denken, Jungbleiben auch
Spontan, neugierig, abenteuerlustig – Heidi Hetzer, 77 Jahre

Kreativität – das Anti-Aging-Mittel par excellence
Anders sein, anders denken, Neues schaffen
„Ich muss noch 50 Jahre leben, um all das zu verwirklichen, was ich im Kopf habe“ sagte Christian Gruhl – mit 80 Jahren

Wie Engagement das Alter zu dynamisieren vermag
Engagement für andere macht das eigene Alter lebendig
„Statt Egozentrik: für den Nächsten da sein“ – Friedrich Thimm, 90 Jahre

Die verborgene Kraft dahinter
Neuanfang aus der Talsohle des Lebens
„Meiner Meinung nach sollte man im Leben danach streben, sich zu vollenden“ – Anne R., 79 Jahre

(August 2016)

Foto Charles Eugster, mit freundlicher Genehmigung der Betreiber der Website www.charleseugster.net

Das Titelbild zeigt übrigens meine Mama. Sie ist derzeit 82 Jahre, wunderbar lebendig und gesund.
Klar tut ihr manchmal was weh, zum Beispiel wenn sie zu viel im Garten gearbeitet hat – doch das wär bei mir genauso – und es geht vorbei (mit Shiatsu noch viel schneller :D)

Wenn auch du in deinem Umfeld Menschen hast, die das Älterwerden prima hinkriegen, dann schreib mir doch. Denn wir alle brauchen Vorbilder.

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Andrea,
    wie wunderbar Sie doch mein Buch erfasst und beschrieben haben!! Chapeau!! Ich freue mich, dass Sie hier die Themen ausgesucht haben, die jene Glaubens- und Denkmuster auf den Kopf stellen, die wir wohl am meisten verinnerlicht haben: das Credo vom körperlichen und geistigen Abbau im Alter!
    Im vorhergehenden Buch „Leben wagen bis ins hohe Alter“, in dem ich eine noch viel größere Zahl von mutigen, kreativen und lebensfrohen Menschen hohen Alters aus allen nur erdenklichen Lebensbereichen vorstelle, gibt es ein großes Kapitel zu den Denkmustern über das Alter, die in der Gesellschaft vorherrschen. Im ersten Buch habe ich auch zwei absolute Lieblingskapitel, die etwas behandeln, das man selten in Büchern zum Alter findet: „Die geheime Macht der Naturwissenschaft“ sowie „Blickwinkel und Relationen – Wie Statistiken, Teilinformationen, verkürzte Sichtweisen und fehlende Zusammenhänge uns in die Irre führen können“.
    Ob Pflegebedürftigkeit, Alzheimer, Zelltod oder das Schwinden des Kurzzeitgedächtnisses – wir hinterfragen zu wenig und wir widersprechen zu selten, weil wir uns selbst, unserer Stärke, unserer Bewusstheit, unserem eigenen Fühlen und Empfinden, weniger trauen als den Informationen, die uns von außen zugeführt werden.
    Mit den herzlichsten Grüßen und guten Wünschen für Sie
    Maria G. Baier-D’Orazio

    1. Liebe Maria,
      ich finde es großartig, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich dieser wichtigen Thematik annehmen und unser Denken zurechtrücken.
      Denn älter werden wir schließlich alle – auf das WIE kommt es an.
      Und da mich dieses Thema brennend interessiert und Sie mich richtig neugierig gemacht haben, freu ich mich schon auf die Lektüre Ihres Buches „Leben wagen bis ins hohe Alter“.
      Bitte lassen Sie nicht locker und schreiben Sie noch viele so ermutigende Bücher.
      Alles Liebe
      Andrea

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