Ulrike Chladek – ein Leben in 3D

In dem Oeuvre von Ulrike Chladek begegnen uns häufig selbstbewusste Frauen, die ihre weiblichen Rundungen mit einer lustvollen Selbstverständlichkeit und freudvollen Erotik zur Schau stellen. Es ist diese Mischung von Natürlichkeit, Lebenslust und Intimität, die so anziehend auf die Betrachter wirkt.

Für Ulli – wie sie Freunde nennen, zu denen ich mich zählen darf – ist Volumen der wohl wichtigste Part ihrer Kunst. Form und Linie prägen ihr Werk, wobei weibliche Körper überwiegen – mollige, voluminös Formen – runde Bäuche und Ärsche (wie Ulli selbst es so treffend ausdrückt :D).

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Wie alles begann

Ulli ist familiär gleich doppelt vorbelastet. Vom Vater hat sie die gestalterische Gabe erhalten, von der Mutter das präzise Talent der räumlichen Vorstellung und Umsetzung. Beide waren gute Zeichner.

Der Vater, der in die Fußstapfen des Großvaters treten musste, lernte Friseur, obwohl er lieber Gärtner, Bauer oder Lehrer geworden wäre. Wie so oft im Leben, sollte daher seine Tochter den Traum vom Lehrerdasein leben. Doch Ulli hatte andere Pläne, sie wollte Kunst studieren. Glücklicherweise unterstützten ihre Eltern diesen Wunsch, denn studieren zu dürfen, war für Frauen Mitte der 60er Jahre noch alles andere als selbstverständlich, ganz zu schweigen von einem Kunststudium.

Als Zugeständnis an ihre Eltern, die ihr das Studium finanzierten, besuchte sie die Modeklasse an der Akademie für angewandte Kunst in Wien – denn mit Mode ließ sich noch eher Geld verdienen als mit anderen Kunstformen. Danach arbeitete sie 2 Jahre als Modedesignerin, erkannte aber bald, dass ihr die nötige Begeisterung für die Modebranche fehlte. Und als sie eine frühere Studienkollegin traf, die mittlerweile als Lehrerin ihr Geld verdiente, erkannte sie, dass auch sie der Lehrberuf weit mehr erfüllen würde.

Von der Mode in die Schule  

Schon immer liebte sie den Umgang mit Kindern, war Babysitter, betreute Jugendlager u.v.m. Doch weil der Vater gar so in diese Richtung gedrängt hatte, kam das für sie zuerst nicht in Frage. Doch nun hatte sie sich bereits freigestrampelt von der väterlichen Autorität, war erwachsen und so entschied sie sich, nun doch Lehrerin zu werden und hat es nie bereut. Durch den damaligen herrschenden Lehrermangel, konnte sie sogleich beginnen und wurde eine zufriedene, von ihren Schülern geschätzte Kunsterzieherin.

VIDEO: Ulli erzählt – über Mode und Schule (Dauer: 01:25 min)
youtu.be/ozS-I7dDekI

Die Ferien nutzte sie zur Weiterbildung, besuchte immer wieder Workshops und Seminare im künstlerischen Bereich, lernte Keramik, Bildhauerei u.v.m.

Im Laufe der Jahre besuchte Ulli immer wieder Werkstättenseminare im Steinbruch in St. Margarethen, wo sie großartige Lehrer wie Hans MuhrKurt IngerlHeinrich Tilly, Josef Opperer und Franz Pöhacker hatte, lernte Holzschnitt bei Robert Hammerstil sowie diverse andere Drucktechniken im Flach-, Hoch- und Tiefdruckbereich, u.a. bei Werner Rischanek.

In der Keramik hatte sie gleich 5-6 Lehrer und von jedem lernte sie etwas Spezielles, das sie bei den anderen nicht hörte. So wuchs nicht nur ihr Können, sondern sie entwickelte auch ihren eigenen, ganz persönlichen Stil.

Über die Jahre entstanden zahlreiche Werke – vorwiegend 3-dimensionale Arbeiten aus Holz, Stein, Keramik u.a., die Ulrike Chladek seit 1983 regelmäßig im In- und Ausland ausstellt.

Motive, Formen und Themen

Waren es anfangs eher organische Formen die sie aus Holz, Ton und Stein schuf, so fand sie bald zur körperlichen Form. Weibliche Körper – mollig, rund und selbstbewusst – haben es ihr angetan. Ob aus Ton, Draht, Holz, Stein oder Papiermaché tummeln sie sich auf Tischen, Sockeln und Wänden.

Sie arbeitet fast ausschließlich in Naturtönen, wobei beige und anthrazit überwiegen. Ihre Tonarbeiten belässt sie fast ausschließlich in der Naturfarbe des verwendeten Materials. Es ist die Form in ihrer Ursprünglichkeit, die ihr wichtig ist, das Volumen an sich.

Rundes und Eckiges – neben den prallen Rundungen der weiblichen Akte und dem sanften Schwung organischer Formen, finden sich im Oeuvre von Ulrike Chladek auch abstrakte, kantige Objekte aus Ton – manchmal in Kombination mit Drahtarbeiten.

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Leichtes und Schweres – zarte 3D-Arbeiten aus Papier (Papierobjekte.pdf) – luftige Gebilde, die nur dem freien Raum als Begrenzung dienen – sowie dralle weibliche Formen in leichtem Papiermaché oder Eisendraht, finden sich ebenso wie große massive Holzkörper oder Steinskulpturen.

Ihre Kreativität kennt keine Grenzen. Inspiration findet sie vor allem in Baumärkten. So kann eine Rolle Draht ganz schnell zum Ausgangsprodukt für eine Serie von Drahtfiguren werden …

Ihr Zugang zur Kunst

Es ist der Prozess selbst der Ulrike Chladek immer wieder begeistert. Doch lassen wir sie selbst zu Wort kommen:

Für mich steht die Freude am Gestalten im Vordergrund. Den Herausforderungen eines Material gerecht zu werden, eine Formvorstellung umzusetzen bis ich einverstanden bin, das beschäftigt mich und darauf konzentriere ich mich mit Hingabe und viel Geduld.

Häufig geht der Arbeit eine genaue Überlegung voraus, was jedoch Raum für während der Umsetzung auftauchende Überraschungen und Impulse lässt. Deshalb entstehen auch gerne Serien, um gewonnene Erfahrungen und Ideen in einem weiteren Werk einzubringen.

Manchmal führt sogar eine erste Enttäuschung zu einem neuen Weg, wie das bei den Ton-Draht-Kombinationen der Fall war.

In unserem Gespräch hat mir Ulli erzählt, was es mit der Entstehung des Ton-Draht-Kombinationen auf sich hatte. Die sorgfältig geplanten und gefertigten Tonobjekte verformten sich beim Trocknen, sie krümmten bzw. bogen sich zur Seite, wodurch sie nicht mehr zusammenpassten. Ulli hat nach anfänglicher Enttäuschung das jeweilige Gegenstück aus Draht ergänzt und fand auf diese Weise letztendlich zu einer neuen Serie.

VIDEO: Ulli gibt uns Einblicke in ihre Arbeitsweise (Dauer: 01:15 min)
youtu.be/nu96MlZU7rU

Genauso entspannt wie sie mit scheinbaren Rückschlägen umgeht und sie zu neuen Projekten macht, sieht sie auch ihr zukünftiges künstlerisches Schaffen – frei nach dem Prinzip „Ich will, aber müssen tu ich nicht“. Doch da sie es liebt, nach einem Tag an dem sie an einem Kunstprojekt gearbeitet hat, körperlich und geistig ausgepowert zu sein – zufrieden mit sich und der Welt, bin ich sicher, dass wir uns noch auf so manches neue Werk aus ihren Händen freuen dürfen.

Großprojekte

1991 gewann Ulrike Chladek eine Ausschreibung für einen neuen Brunnen. Ihr Modell (1:10) aus Ytong entworfen, wurde kurz darauf unter Mitwirkung mehrerer Betriebe der Region auf dem Holzplatz im Stadtzentrum von Neunkirchen in die Tat umgesetzt.

Der Ulrike Chladek Brunnen heute – mit Patina

Das war ein spannendes Projekt für Ulli, die sich noch gut an diese Zeit erinnert und auch an die tolle Unterstützung, die sie damals fand. So hat die Feuerwehr von Wartmannstetten ihr bei der Umsetzung ebenso geholfen, wie die fachlichen Fähigkeiten von Herrn Wagner, Chef der Gießerei Wagner in Wartmannstetten. Denn gerade der geplante Wasservorhang erwies sich als Herausforderung, die jedoch mit vereinten Kräften wunderbar gemeistert wurde.

 

So ist dieser Brunnen ein Gemeinschaftsprojekt geworden, an dessen Entstehen zahlreiche Menschen beteiligt waren und das den verbindenden Charakter eines Brunnens noch weiter unterstreicht.

Ausstellungen

Ihre erste Ausstellung hatte Ulli 1982 in der Stadtgalerie Ternitz, deren Verantwortlicher damals der beim NÖ Kulturforum sehr aktive und erfolgreiche Kulturmanager Kurt Fuß war.

Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen folgten. So waren ihre Arbeiten in Österreich, Deutschland, Ungarn, Italien, der Tschechischen Republik und Argentinien zu sehen.

Ulrike Chladek mit ihrer Skulptur „Balance“

Seit 1993 nahm sie auch regelmäßig an Bildhauer-Symposien teil. Im Zuge dieser Symposien entstanden diverse Holzskupturen, die im öffentlichen Raum ausgestellt sind, wie z.Bsp. „Balance“ eine Holzskulptur, die im EG des Gemeindeamtes Stubenberg in der Stmk. zu sehen ist.

Aktuell ist eines ihrer Objekte im Rahmen der Ausstellung „Ohne Brücken keine Verbindung“ noch bis 21.2.2019 im Haus Wittgenstein in Wien, dem bulgarischen Kulturinstitut, zu sehen. Die Ausstellung und somit auch Ullis Beitrag (2 sich einander nähernde Hände) wird danach auch in Plovdiv – Kulturhauptstadt Europas 2019 in Bulgarien zu sehen sein – vom 8. August bis 1. September 2019 in der City Gallery, Plovdiv / Bulgarien

Doch ich freue mich ganz besonders, ihre Objekte zusammen mit den Fotos von Herbert Langmüller in Kürze in einer Ausstellung bei mir zeigen zu dürfen:

„FORM trifft STRUKTUR“
Ulli Chladek & Herbert Langmüller

Vernissage: Mi., 27.3.2019,  um 18:30 Uhr
bei Shiatsu-ART (1030 Wien, Ungargasse 12a)

Weitere Infos zu der Ausstellung bzw. zu der Verbindung der beiden Künstler findest du in meinem Blog-Artikel FORM trifft STRUKTUR

Kunstvermittlung

Von 1971 – 2004 unterrichtete Ulrike Chladek Kunst bzw. bildnerische Erziehung am Gymnasium in Neunkirchen, der PÄDAK in Baden sowie im BORG in Wiener Neustadt. Sie war Lehrerin mit Leib und Seele. So sehr sie sich ursprünglich gegen diesen Beruf gewährt hatte, so sehr liebte sie in später.

Ulli war es wichtig, den Schülerinnen und Schülern einen Zugang zur Kunst zu eröffnen, indem sie mit ihnen, wann immer es möglich war, zu Ausstellungen fuhr. Doch sie hat sie auch ganz praktisch an die einzelnen künstlerischen Techniken herangeführt und es freute sie, dass sie dabei tatkräftig von der Direktion des Bundesgymnasiums Neunkirchen unterstützt wurde. So wurden im Laufe der Zeit Brennöfen, Druckerpressen, eine Siebdruckanlage und Apple Computer angeschafft.

Ulli erinnert sich noch heute gern daran, wie sie mit den Schülern zum Steinbruch nach Margarethen fuhr, wo sie sich selbst Steine aussuchen durften. Auf die Frage, wie groß denn der Stein sein dürfte, gab es stets die gleiche Antwort: „So, dass ihr ihn zu zweit tragen könnt.“ Zurück in Neunkirchen wurden die Sandsteinrohlinge dann auf dem Sportplatz mit Hammer und Meißel bearbeitet. Kunsterziehung vom Feinsten – so etwas hätte ich mir auch gewünscht.

Was mich besonders fasziniert

Ulli ist eine großartige Künstlerin und dabei so völlig unkapriziös. Ich mag ihre Arbeiten sehr und freue mich jetzt schon auf die Ausstellung bei mir in der Praxis „FORM und STRUKTUR„, mit Objekten von Ulli Chladek und Fotos von Herbert Langmüller. Die Vernissage, zu der ich dich sehr herzlich einlade, ist am 27.3.2019 um 19 Uhr (Shiatsu-ART, Ungargasse 12A, 1030 Wien).

Und ich schätze Ulli sehr – als Mensch, als Frau und als Künstlerin – denn sie sagt was sie denkt, lacht gerne, ist authentisch und doch bestimmt in ihren Ansichten und Werten.

Auf meine Frage, ob sie ein Lebensmotto hat, meinte sie, sie hätte mal einen Satz aus der Bergpredigt  gelesen, der ihr sehr gefällt und der lautet: „Hüte dich vor der fahrlässigen Sanftmut, die der Empörung nicht fähig ist.“
Passt doch! Denn trotz aller Toleranz und ihrer Liebe zur Harmonie gehört Ulli zu den Menschen, die für ihre Werte eintreten und sich empören können, wenn’s nötig ist.

Kurzbiografie:

Ulrike Chladek

am 2.4.1946 in Wien geboren, lebt und arbeitet in Wien.
Mitglied der BV der bildenden Künstler Österreichs

1964-69 Hochschule für Angewandte Kunst, Wien; Diplom, Mag.art.

1971-2004 Unterrichtstätigkeit an Gymnasium und PÄDAK

ULRIKE CHLADEK Biografie 2018.pdf

Weitere Informationen über die Künstlerin und ihr Werk findest du auch auf folgenden Seiten:

www.atelier3A.at/chladek.htm
www.bodisign.at/kunstwerktage/ullichladek.htm
www.rearte-gallery.at/Ulrike_chladek.html

(Februar 2019)

Fotos: © Andrea Bauer bzw. © Ulli Chladek
Text:   Andrea Bauer

 

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