Porträt – Faek Rasul

… erfüllt sich den Traum von einem neuen Kunstkatalog. 

Es handelt sich dabei um einen Katalog über seine Kunstwerke der letzten 10 Jahre, der rechtzeitig zu seiner großen Einzelausstellung am 30. November 2015 im Salon BelleArti erscheinen soll. Geplant sind 200 Seiten, mit unzähligen Bildern sowie zahlreiche Texte über Faek und seine Arbeiten.

Ein Kunstkatalog ist ein aufwendiges Projekt

Zuerst müssen alle Kunstwerke professionell fotografiert werden und die Bilddaten (Titel, Jahr, Größe, Technik) erfasst werden. Parallel dazu gilt es Kunsthistoriker, Künstlerkollegen und Freunde zu veranlassen, Texte über die Arbeiten zu verfassen. Danach wird das gewünschte Layout festgelegt und das gesamte Material geht zum Grafiker, der dem Ganzen die perfekte Optik gibt. Wenn der Katalog in Druck geht, ist der Künstler im Idealfall auch dabei, um noch letzte Farbkorrekturen beim Druck vorzunehmen, denn Kunstwerke sind schwierig in den Originalfarben wiederzugeben.

Und da ein solches Projekt kostenintensiv ist, müssen natürlich auch Angebote eingeholt, Sponsoren gefunden und die Finanzierung geklärt werden. Denn die Zeiten, wo Kataloge noch von den Galerien gemacht und finanziert wurden, gehören leider der Vergangenheit an. Heute werden die meisten Kunstkataloge privat finanziert, also mit Eigenmitteln und Sponsoren.

Es ist dies der 2. Katalog, den Faek herausbringt und trägt den Titel. Der erste erschien 2005 unter dem Titel „Faek Rasul – Erinnerungen – Bilder von 1980-2006“.

Künstler werden – Künstler sein

Faek ist Kurde aus dem Irak. Als Kurde gehört er einer Minderheit an, die im Irak jahrzehntelang diskriminiert und verfolgt wurde.

Wie es im Nahen Osten üblich ist, lebte er in einer Großfamilie, zusammen mit dem Bruder seiner Mutter, welcher sich aktiv mit Politik und Kunst beschäftigte. Bei ihm saß Faek oft stundenlang, sah ihm beim Zeichnen zu und versuchte es nachzumachen. Hier wurde sein Talent erstmals sichtbar.

Durch diesen Onkel und einen Lehrer im Gymnasium, der von seinen Arbeiten begeistert war, entstand im jungen Faek der Wunsch eines Tages Künstler zu werden. Ein für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnliches Projekt, vor allem wenn man bedenkt, dass seine Mutter Analphabetin bäuerlicher Herkunft und sein Vater bei einer englischen Erdölfirma beschäftigt war. Doch das familiäre Klima war äußerst liberal und so wurde er in seinem Vorhaben auch von Seiten der Eltern unterstützt.

Doch selbst mit dieser Unterstützung war das nicht so einfach. Die Kunstakademie in Bagdad blieb ihm versperrt, denn die nahm nur Mitglieder der Baath-Partei (dem Regime Saddam Hussein zugehörig und antikurdisch) auf.  So blieb ihm nur die Hochschule der angewandten Kunst in Bagdad, wo er jedoch nur durch einen äußerst glücklichen Umstand einen Studienplatz bekam. Denn ursprünglich war er vom Unterrichtsministerium, das zentral die Studienplätze vergab, schon für eine Schule vorgesehen gewesen um als Krankenpfleger ausgebildet zu werden – was ihm so gar nicht gefiel. Nur dem Umstand, dass eine Autobombe alle Unterlagen des Ministeriums zerstörte, verdankt er den erträumten Platz an der Hochschule für angewandte Kunst (Schwerpunkt Design und Planung).

Hier konnte er sich seine ersten Sporen als angehender Künstler verdienen, begleitet und gefördert von seinem Professor, nahm er an zahlreichen Hochschul-Ausstellungen in verschiedenen Städten im Irak teil.

Nach dem Hochschulabschluss widmete er sich der Politik, kämpfte für die Freiheit der Kurden und gegen die Unterdrückung durch das Regime Saddam Husseins. In den darauffolgenden Jahren war er politisch sehr aktiv, wurde schließlich verhaftet, gefoltert und entging wie durch ein Wunder nur knapp der Todesstrafe. Doch er wurde zu 7 Jahren Haft verurteilt. Als er nach 1,5 Jahren aufgrund einer Amnestie freikam, waren seine politischen Ideale zerstört und er mit der Politik fertig.

1984 floh mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in den Iran, wo er 2 Jahre in einer Flüchtlingssiedlung lebte, ehe es ihm 1987 gelang ein Visum für Österreich zu erhalten und als politischer Flüchtling einzureisen.

Wien – wie alles anfing

Da ihm klar war, dass der Weg zurück unmöglich war, begann er sich mit aller Kraft ein neues Leben in Österreich aufzubauen. Er begann Deutsch zu lernen und sich seinen Lebensunterhalt mit allerlei Gelegenheitsjobs zu verdienen. Doch er knüpfte auch Kontakte zu anderen Künstlern, malte wieder, begann auszustellen und Ausstellungen zu organisieren.

Die ersten Erfolge stellten sich bereits im Jahr 1988 ein, als im ORF in der ZIB von einer von ihm organisierten Ausstellung mit den Werken kurdischer Künstler berichtet wurde. Er war nun immer aktiver im Ausstellungsbereich tätig, ehrenamtlich kuratierte und organisierte er zahlreiche Ausstellungen (z.Bsp. im AAI, im Integrationshaus …), wobei es ihm stets ein besonderes Anliegen war, auch andere Künstler mit einzubinden.

Wann immer er von einer interessanten Ausstellungsmöglichkeit erfuhr, lud er andere Künstler ein mitzumachen oder vermittelte den Kontakt. Sein Netzwerk wuchs und 1999 lernte er anlässlich eines Künstler-Symposiums in der UNO-City Rudi Mather kennen, der gerade dabei war eine Galerie zu gründen.

Faek Rasul mit BP Dr Fischer und Stadtrat Michael Ludwig

Wo Faek heute steht

Im Jahr 2000 wurde Faek Galerist und leitete für Rudi Mather die M-ART Galerie, eine internationale Galerie am Börseplatz in Wien. Seit 2007 ist er Leiter der kleinen galerie, einer der ältesten Galerien in Wien, die er mit einem klaren Konzept zu neuen Höhen führte und weiter führt.

Faek ist ein begnadeter Netzwerker, aber einer der sich wirklich für die Menschen interessiert und nicht nur auf den eigenen Vorteil abzielt, und das spürt man. Für eine interessante Ausstellung oder ein super Event scheut er keine Arbeit und Mühe, allein das Ergebnis zählt für ihn. So hat er über die Jahre ein tragfähiges Netz aufgebaut, Kontakt zu Künstlern und Kunstinteressierten geknüpft und vertieft. Heute ist er ein Dreh- und Angelpunkt in der Kunstszene. Er nützt wo er nur kann den verbindenden Aspekt der Kunst, bringt Menschen zusammen, öffnet ihre Bereitschaft sich einzulassen – auf die Kunst, die Anderen, ja auf das Leben selbst.

Als Künstler hat er bereits in vielen Ländern ausgestellt, hat seine Fangemeinde und Sammler.
In seiner Kunst hat er die traumatischen Erlebnisse im Irak aufgearbeitet. Erlebtes verbindet sich auf der Leinwand mit Gefühltem, wird zu einer sichtbaren und doch verschlüsselten Einheit, die auf jeden Betrachter anders wirkt. Faek wurde durch die Kunst frei und heil.

Er lebt seinen Traum von der Freiheit und hinterlässt dabei starke Lebensspuren, in seiner Kunst, in seiner Tätigkeit als Galerist und als Mensch – und bald auch durch seinen neuen Katalog.

Portraitradierung Faek Rasul by Andrea Bauer

Portraitradierung Faek Rasul by Andrea Bauer

Was mich besonders an Faek fasziniert

Faek ist Künstler aus Leidenschaft, selbst wenn er durch seine Tätigkeit als Galerist nur wenig Zeit für sein eigenes künstlerisches Werk findet. Die wenigen Wochen im Jahr, die die Galerie geschlossen ist, gehören seiner Kunst und er arbeitet unermüdlich, wobei jedes Bild auf seinem Vorgänger aufbaut, sodass sich ein starker roter Faden durch sein Werk zieht.

Was mich jedoch am meisten fasziniert an ihm, ist sein Umgang mit den Menschen, mit Zeit und Geld. Selbst als Galerist nimmt er sich stets Zeit, ist offen und gesprächsbereit und jeder Künstler kann sich seiner Wertschätzung gewiss sein, unabhängig davon ob er ihn in der Galerie ausstellen will oder kann. Als Galerist ist er sehr professionell und führt die Galerie mit viel Kunstverstand, wobei er den Kunstmarkt stets im Auge behält und darauf bedacht ist die Qualität hochzuhalten und das Angebot laufend zu verbessern.

Für ihn ist Zeit zu haben Lebensqualität und Geld Mittel zum Zweck, das er gerne für Dinge ausgibt, die ihm am Herzen liegen. Er packt dort an, wo andere nur reden und fragt nicht danach, was er dafür bekommt. Er gibt von Herzen – und da alles im Leben zurückkommt, ergeben sich immer neue Chancen für ihn.

Kurzinfo zu Faek Rasul

  • geboren 1955
  • lebt in Wien, mit Ehefrau Tania
  • 2 Kinder (1 Tochter, 1 Sohn)
  • Galerist, Künstler, Netzwerker
  • www.faekrasul.com

(Oktober 2015)

Fotos © Faek Rasul, kleine galerie

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