Porträt – Edith Binderhofer

… hat ihrer Liebe zum Orient, zu schönen Dingen und der Kunst ein Zuhause gegeben. Ihre Zwillinge, wie sie „amani“, ihr Geschäftslokal und ihre Galerie, liebevoll nennt, beinhalten all das. Der Name ist Maxime, denn „amani“ (arabisch) bedeutet „Wünsche, Träume, Sehnsüchte“.

„amani – arts & crafts & gallery“ nimmt einen mit seiner Atmosphäre gleich gefangen. Es liegt in der Porzellangasse im 9. Wiener Gemeindebezirk, am Rande des Servitenviertels, einer äußerst lebendigen Gegend mit vielen kleinen feinen Läden, Boutiquen und Lokalen.

Im Erdgeschoss findet man wundervolles Kunsthandwerk vor allem aus dem Orient und Asien, aber auch afrikanischer oder lateinamerikanischer Herkunft: Schmuck aus Silber, Seide oder der Taguanuss (heimisch in Ecuador und Kolumbien), Tücher, Taschen, Schals, Keramik, Gebrauchsgegenstände aus Holz, Vasen aus recyceltem Glas und viele ausgesuchte Kleinigkeiten, die sich auch wunderbar als Geschenke eignen. Das Besondere an ‚amani‘: Ein Großteil dieser Produkte ist Fair Trade, in Selbsthilfeprojekten  für Frauen entstanden oder kommt aus kleinen Kunsthandwerksbetrieben.amani Kunsthandwerk

Das Obergeschoss ist der Kunst und dem Genuss gewidmet, denn dort verbirgt sich eine bezaubernde Galerie mit wechselnden Ausstellungen (5 pro Jahr).

Wie es dazu kam

Edith ist in Wien aufgewachsen, das in den 1980er Jahren noch eine ziemlich monokulturelle Stadt war. Während ihres Studiums in Paris lebte sie von 1983 bis 1984 in der Cité Universitaire, in der viele Länder ihr eigenes Studentenhaus hatten. Alle Nationen, die keinen großen Studentenanteil darstellten, wurden gemeinsam in einem Haus untergebracht, so auch Österreicher und Palästinenser. Daraus ergab sich, dass Edith während ihres Parisaufenthaltes erstmals in persönlichen Kontakt mit Palästinensern gekommen ist. Ihr gefiel vor allem, wie offen diese Menschen auf sie zugingen – ganz anders als sie es in Wien gewohnt war. Es war für sie die Entdeckung einer neuen Welt  – die Gastfreundschaft, orientalische Musik, Literatur, das gemeinsame Essen in den Zimmern des Studentenwohnheims, die Feste, die Gespräche über Politik, über ganz andere, viel schwierigere Lebenswege als die, die sie bisher kannte….

So ergab es sich auch, dass sie sich in ihrem Geschichtsstudium auf den Nahen Osten spezialisiert hat, sowohl ihre Magisterarbeit, als auch ihre Dissertation über Themen mit Palästinabezug schrieb, klassisches Arabisch (und später auch Persisch) gelernt und einige Jahre in Kairo gelebt hat.

Nach dem Studium wurde sie Bildungs- und Kulturreferentin für Asien im AAI (Afro-Asiatisches Institut) in der Türkenstraße in Wien. Das AAI war in den 1990er Jahren ein überaus lebendiger Mikrokosmos, ein Institut zur Völkerverständigung mit zahlreichen multi-kulturellen Veranstaltungen, einem eigenen Ausstellungsprogramm in der Galerie des Instituts in der Schwarzspanierstraße und sehr engagierten Mitarbeitern. Für Edith öffnete sich wieder ein Fenster zur Welt, und sie fand dort Freunde aus allen Teilen Asiens. Als das AAI in eine Richtung umstrukturiert wurde, die Edith nicht mehr entsprach, verließ sie es Ende 1997. Und gemäß ihrer Devise „wenn es wirklich nicht mehr passt, geh ich“, ging sie neue Wege.

Sie arbeitete als Historikerin und schrieb zwei Bücher, die ihr am Herzen lagen:Ediths Bücher

Eines über asiatische Frauen in Wien – „Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe: Gespräche mit asiatischen Frauen in Wien“ – weil sie viele Asiatinnen kennt und das öffentliche Bild von der unterdrückten asiatischen Frau widerlegen wollte, das so gar nicht zu ihrem eigenen Erleben passte.

Und eines über europäische Frauen im Orient – „Die Stunde Solomon: Europäische Frauen im Orient“. Auch hier ging es um die Auseinandersetzung mit einem Vorurteil, und zwar über das von Betty Mahmoudy in ihrem Roman „Nicht ohne meine Tochter“ geschaffene Bild orientalischer Länder als Orte brutaler Unterdrückung westlicher Frauen.

Parallel zum ‚dokumentarischen Schreiben‘ machte Edith eine Ausbildung als Dokumentarfilmerin. Es sah schon ganz so aus, als könnte sie ein ihr wichtiges Filmprojekt über Shahram Nazeri, einen der berühmtesten iranisch-kurdischen Sänger und Musiker, verwirklichen. Doch leider kam die Weltpolitik dazwischen, und der Iran schloss unter der Regierung Ahmedinneschad ab 2009 seine Grenzen für ausländische Filmteams.

Nach dieser Enttäuschung entstand wieder etwas Neues – wie so vieles im Leben von Edith hat es sich ‚ganz einfach ergeben‘: So war es ihre Schwester, die ihr nahelegte, doch aus ihrer Liebe zum Orient und ihren Kontakten zu Frauenprojekten etwas Handfestes zu machen. Bald fanden sich auch die geeigneten Räumlichkeiten, und „amani“ wurde gegründet – zunächst als Geschäft für orientalisches Kunsthandwerk und Galerie.

Die dort erhältlichen Produkte spiegeln die Schönheit und das Lebensgefühl des Orients und mittlerweile auch anderer Weltgegenden wider. Mit „amani“ – ihren Zwillingen – hat Edith ihrem Traum von einer sozial gerechteren Welt Leben eingehaucht, indem sie Selbsthilfeprojekten eine Verkaufsmöglichkeit mitten in Wien bietet und sie so unterstützt.

Woher kommen die Produkte:Orientalischer Schmuck

Viele bringt Edith von ihren Reisen – vor allem nach Ägypten – selbst mit, kennt also die HerstellerInnen persönlich.

Seit 2014 hat sie ihr Angebot ‚geografisch erweitert‘, denn auf der „Ambiente“, einer großen Messe in Frankfurt, lernte sie die Gründerinnen zweier toller Projekte aus Kambodscha kennen: Eine von ihnen arbeitet vor allem mit behinderten Frauen, die andere mit Opfern von Landminen, und hergestellt werden wunderschöne Seidenschals und Seidenschmuck. Aus Ecuador stammen die Schmuckstücke aus Tagua-Nüssen – ein Projekt einer jungen Französin, bei dem ein Teil des Erlöses in ein Schulprojekt fließt.

Um ihr eigenes Angebot zu bereichern und den zahlreichen StammkundInnen immer wieder Neues bieten zu können, nimmt Edith auch Produkte aus anderen Projekten in Kommision – z.B. Seidenschmuck aus alten Saristoffen aus einem Dorf in Südindien (eine Initiative der jungen Inderin Daksha Gowda – www.sanchali.eu) oder originellen Messingschmuck aus einem Projekt aus Kenia (gegründet von Ana Chico – www.bloombo.com)

Für Mai 2016 plant sie etwas ganz Neues, und zwar einen fünftägigen Popup-Store im Galerieraum mit der senegalesischen Modeschöpferin Rama Diaw, die sie im Sommer kennengelernt hat.

So wie damals im AAI, wo sie – von ihren Erfahrungen im Orient ausgehend – ganz Asien und auch andere Weltgegenden entdeckte, lädt sie uns nun ein auf eine Reise durch ihren Mikrokosmos, in dem über Kunsthandwerk auch die Menschen, die dahinter stehen, ganz sinnlich erfahrbar und er-fassbar werden.

Wie sucht sie die Künstler und Künstlerinnen aus, die in der Galerie  ausstellen:

Einige von ihnen kennt Edith seit vielen Jahren, und zwar noch aus der Zeit, in der sie für die Galerie des Afro-Asiatischen Instituts arbeitete. Andere entdeckte sie in anderen Galerien, wurden ihr empfohlen oder wandten sich selbst an sie. Wichtig ist ihr vor allem, dass die Werke qualitativ hochwertig sind, und dass sie mit jeder Ausstellung einen anderen Akzent setzt und so eine Vielfalt entsteht: Der Schwerpunkt kann auf abstrakter oder figurativer Kunst, Grafik, Porträts, textiler Kunst, auf Arbeiten mit Naturmaterialien oder auf der Betonung von Humor liegen. Die Arbeiten müssen sie auch persönlich ansprechen, es soll sich alles einfach stimmig anfühlen, und diese Harmonie ist dann auch spürbar.

Was mich an Edith besonders fasziniert

Edith ist eine Seele von Mensch und lebt wirklich, wovon sie spricht. Sie engagiert sich sozial nicht als gesellschaftliches Muss, sondern aus Überzeugung. Genauso liebt sie Kunst und sammelt sie auch – auch hier nach der Devise – Kunst gehört ganz notwendig zum Leben, bereichert es, und ist keine Aktie, in die sie investiert.

Ihre ‚Zwillinge‘ führt sie mit großem persönlichen Einsatz und sehr viel Liebe. Mit jeder neuen Ausstellung, bei der immer einige Kunstwerke im Schaufenster und im unteren Geschäftsbereich hängen, werden farblich Akzente gesetzt, sodass alles wie aus einem Guss wirkt, harmonisch, ästhetisch und einfach ansprechend. Auch so soll der fließende Übergang von Kunsthandwerk und Kunst spürbar und erlebbar werden.

Bei Vernissagen wird der große Holztisch, der mitten im Laden steht, abgeräumt und dient mit wunderschönen Blumenarrangements als Bewirtungszone, wo sich die Besucher mit Wein, Saft und einem köstlichen Nussbrot laben können, wo Begegnung stattfindet und viele interessante Gespräche geführt werden. Denn hier treffen sich Menschen aus vielen Bereichen und mit den unterschiedlichsten Backgrounds. Viele sind Freunde von Edith – entweder langjährige oder neue – und ich freue mich, mich dazuzählen zu können.

Ediths Lebensmotto ist:Edith

Homo viator.
(Der Mensch ist ein Reisender.)

Sie selbst sieht sich als moderne Nomadin, eine Reisende, die sich vorerst in Wien angesiedelt hat. Schön für uns, denn so öffnet sich uns ein ‚Fenster zur Welt‘.

Kurzinfo zu Edith Binderhofer

  • geboren 1963
  • lebt in Wien
  • sozial engagierte Unternehmerin, Galeristin, Autorin

amani gallery
Porzellangasse 14-16, 1090 Wien
Öffnungszeiten: Di-Fr: 13:00 – 19:00 / Sa: 11:00 – 16:00
www.amani-gallery.at

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(Oktober 2015)

Fotos © Andrea Bauer

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