Mönchhof – wo die Zeit still steht

Vor kurzem war ich wieder einmal im Dorfmuseum Mönchhof im Burgenland und war wie immer fasziniert. Hier wirst du in eine andere Zeit katapultiert, erlebst das dörfliche Leben hautnah und in beeindruckender Authentizität. Ein Muss für jeden, der sehen will, wie das Leben in Österreich noch vor nicht allzu langer Zeit aussah.

Geschichte erleben

Das Dorfmuseum Mönchhof gibt es seit 1990 und entstand aus der Privatsammlung von Josef Haubenwallner, der in den letzten 20 Jahren in Mönchhof ein Freilichtmuseum der besonderen Art gebaut hat. Im ehemaligen Weingarten der Familie Haubenwallner entstand ein Dorf, wie es im „Hoadboden“, diesem Teil des Seewinkels früher üblich war. In 35 wieder errichteten Gebäuden kannst du dir einen Eindruck holen, wie der Alltag in einem Dorf zur Zeit unserer Groß- und Urgroßeltern (in etwa zwischen 1890 und den 1960er Jahren) noch aussah.

In liebevoller Kleinarbeit und mit einer wundervollen Detailtreue entstand hier ein kleines Juwel in der Museumslandschaft. Es ist eine lebendige Erinnerung an eine Zeit als Dörfer noch kleine autarke Gebiete waren. Es waren  kleine, in sich geschlossene Gemeinschaften, wo jeder jeden kannte und es praktisch alles gab, was zum alltäglichen Leben notwendig war.

Etwas was man sich heute kaum mehr vorstellen kann. Heute sind viele Dörfer zwar flächenmäßig gewachsen, aber ohne gesunden Infrastruktur. Oft gibt es weder ein Lebensmittelgeschäft noch eine Gastwirtschaft mehr, und von einer wirtschaftlichen Autarkie und einem lokalen Warenangebot ist man weit entfernt. Ohne Auto sind diese Orte praktisch nicht bewohnbar.

Was es im Dorfmuseum zu sehen gibt

Neben zahlreichen Handwerksbetrieben, findet sich hier alles was zu einer bäuerlichen Dorfgemeinschaft dazugehörte. Von Volksschule, Gasthaus, Greißlerei über Gemeindeamt, Postamt und Gendamerieposten, bis hin zum Kino und dem Behandlungszimmer des Gemeinde- oder besser Kreis-Arztes findet sich hier alles.

Eine Kirche mit Friedhof und Krypta darf da natürlich ebenso wenig fehlen, wie ein evangelisches Bethaus.

Überall gibt es was zu sehen und zu entdecken. Mal ist es der Keller des Pfarrhauses mit seinem Messweinlager, ein anderes Mal finden wir uns in einem Kurzwarengeschäft wieder oder entdecken eine einfache Maschine, zum Abfüllen von Lebensmitteln in Dosen.

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Doch auch der häusliche Alltag ist präsent. Liebevoll eingerichtete Wohnräume zeigen, wie einfach die Menschen damals gelebt haben und doch war alles vorhanden, was man zum Leben braucht.

Die 2 Zigeuener-Wagen des Dorfmuseums regen die Phantasie der Menschen heute noch genauso an, wie zu der Zeit, als sie noch bewohnt waren.

Überhaupt sieht hier alles so aus, als ob die Bewohner oder Besitzer nur mal schnell rausgegangen wären und jeden Augenblick zurückkommen könnten. Nichts fehlt – und das mein ich als ganz großes Kompliment an die Museumsbetreiber Christine und Josef Haubenwallner. Denn an diesen kleinen Details erkennt man die Liebe, die hinter allem steht.

Und was ich besonders schätze, ist die Tatsache, dass alles so gewachsen aussieht. Man flaniert gemächlich durchs Dorf und erfährt so viel über unsere Geschichte und Lebenskultur.

Plan des Dorfmuseums Mönchhof – liebevoll gestaltet, wie alles rund ums Dorfmuseum Mönchhof

Gediegene Handwerkskunst anno dazumal

In Mönchhof reiht sich ein Werkstatt an die nächste. Hier lässt sich noch erahnen, was vor gar nicht allzu langer Zeit Alltag war. Man kaufte im Ort ein und jeder lebte.

Das änderte sich erst in den 1960er Jahren, als Gewerbegebiete, Großkaufhäuser und Supermärkte zu einer Verdrängung der lokalen Geschäfte und Handwerksbetriebe geführt haben. Die Kleinen konnten preislich mit dem Großvertrieb nicht mithalten, die Käufer wanderten ab und so verschwand allmählich ein Handwerksbetrieb nach dem anderen – meist mit der Pensionierung der Besitzer.

Die wenigen, die überlebten, habe sich auf Nischenbereiche spezialisiert. Meist handelt es sich dabei um ein Produktsegment, für das die Nachfrage kleiner aber viel spezieller ist und vom Großhandel nicht abgedeckt werden kann. Hier können die Handwerker noch ihr Know how und Fachkönnen unter Beweis stellen.

Umso faszinierender ist es, die Vielfalt der dörflichen Handwerksbetriebe im Dorfmuseum Mönchhof zu erleben. Ob Tischler, Seiler, Fassbinder oder Wagenschmied, Hutmacher, Schuster, Schneider oder Friseur – alles ist da und noch viel mehr.

Wissen vermitteln

Und damit du in aller Ruhe von Haus zu Haus schlendern kannst und eintauchen in einen Alltag, wie du ihn vielleicht noch aus Erzählungen deiner Großmutter oder deines Großvaters kennst, findest du überall Tafel, die dir das Leben anno dazumal näherbringen.

Doch am schönsten ist es, wenn eine Großmutter oder ein Großvater, dem Enkerl erzählt, wie es bei ihnen damals war. Da werden die Augen groß und Geschichte wird lebendig.

Die Sammlungen

Immer wieder wirst du bei deinem Rundgang auch auf Sammlungen stossen. So gibt es eine repräsentative Schau an Rundfunkgeräten, Kutschen, Schlitten, Kinderwagen, Spielzeug u.v.m.

Spannendes, Kurioses und Alltägliches – eine bunte Mischung, so bunt wie das Leben selbst.

Veranstaltungen im Dorfmuseum

Da das Dorfmuseum über einen Kinosaal mit rund 180 Plätzen und einen Veranstaltungsstadel verfügt, gibt es dort auch immer wieder ein buntes Programm. Ob Wirtshaussingen, Kabarettabende oder Filmvorführungen, es wird so einiges geboten.

Veranstaltungsübersicht

Kontaktdaten

Dorfmuseum Mönchhof
Bahngasse 62, A-7123 Mönchhof

Anfahrtsplan

Öffnungszeiten:
1. April bis 31. Oktober

Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr
Letzter Einlass um 17:00 Uhr

Juni, Juli & August auch Montag geöffnet

Eintrittspreise

 

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es so wunderbare Initiativen Einzelner gibt.

Lieber Herr Haubenwallner, DANKE!
Und auch ein Dankeschön an ihre Frau und all die fleißigen Helfer, die Ihnen bei der Verwirklichung dieses Traumes geholfen haben.

Mir haben Sie mit ihrem Dorfmuseum jedenfalls eine Riesenfreude gemacht.
Ich freu mich bei jedem Besuch über neue Entdeckungen und komme gerne wieder.

(Juni 2018)
Fotos: Andrea Bauer

 

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