Altes Handwerk

Am Donnerstag, den 1.3.2018 hatte ich das Vergnügen bei der Eröffnung der Fotoausstellung „ALTES HANDWERK. Schneider, Schuster, Leinenweber …“ von  Angelika Kampfer in der Hauptbücherei Wien dabeizusein. Gezeigt wurden Fotos vieler vom Aussterben bedrohter Handwerksberufe – als lebendiges Zeugnis einer Zeit, in der Qualität und Langlebigkeit noch großgeschrieben wurden. Diese wunderbaren Bilder, die ohne Pathos und Sentimentalität den Alltag in einem Arbeitsumfeld zeigen, das alles andere als alltäglich ist.

Angelika Kampfer, die von sich sagt „eigentlich würde ich auch in dieses Buch passen, denn ich fotografiere noch analog mit meiner Hasselblad und entwickle die Bilder noch alle selbst“, zeigt in großartigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen Handwerkstechniken, wie wir sie so wahrscheinlich nicht mehr lange zu Gesicht bekommen.

Auch Angelikas Kamera ist etwas Besonderes und die Geschichte, die hinter dem Erfolg der Hasselblad-Kameras steckt ist eine faszinierende Story für sich – die Hasselblad-Story.

Die Fotos sind noch bis Freitag, den 20.04.2018 zu besichtigen.
Hauptbücherei Wien, im 2. Stock
(1070 Wien, Urban-Lobritz-Platz 2A)
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr

Buch-Tipp:

„Altes Handwerk – Schneider, Schuster, Leinenweber“
von Angelika Kampfer und Inge Friedl

Zusammen mit den einfühlsamen Texten von Inge Friedl ist ein Buch entstanden, in dem es um das Wiederentdeckung und Sichtbarmachen schon fast vergessener Fertigkeiten geht, um die Vielfalt alter Handwerkskunst.

Was ich besonders schön finde, ist diese Zeitlosigkeit, die in den Fotos erkennbar ist und einhergeht mit den Lebensanschauungen und gelebten Grundwerten der dokumentierten Handwerker. Die Arbeit ist oft schwer, doch man spürt die Liebe hinter allem, den Sinn und die Leidenschaft.

Ein wunderbares Buch, dass ich allen, die sich für dieses Thema interessieren nur wärmstens empfehlen kann.

„Altes Handwerk – Schneider, Schuster, Leinenweber“
von Angelika Kampfer und Inge Friede
erschienen im Böhlau Verlag
ISBN-13: 978-3205206170

Einen wunderbaren Vorgeschmack dazu erhielt ich bereits bei der Buchpräsentation, die mit einem Vortrag von Andreas Lorenzi und einer Fotopräsentation mit Lesung ergänzt wurde.

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LORENZI – Handwerk am Puls der Zeit

Dass altes Handwerk durchaus auch mit der Zeit geht, ohne seine Eigenständigkeit und Werte zu verlieren, dafür ist die Firma Lorenzi ein großartiges Beispiel.

Andreas Lorenzi ist Messerschleifer in 6. Generation, der anfangs keine Ambitionen hegte, den Handwerksbetrieb seiner Eltern zu übernehmen, bis er erkannte, dass ihn der „Messer-Virus“ einfach nicht los lässt. So brach er sein Betriebswirtschaftsstudium ab und stieg in den Familienbetrieb ein, wo er Handwerk und Kunst, Tradition und Moderne vereint.

Er ist nicht nur ein glühender Verfechter für die Erhaltung dieser wunderbaren Fertigkeiten sondern hat „seinen Beruf zu seinem Hobby gemacht“, wie er selbst sagt.

Andreas Lorenzi beweist, dass Innovation und alte Werte sich nicht ausschließen, sondern wunderbar ergänzen. So bietet das kleine feine Familienunternehmen zum Beispiel
„Messer-Schärf-Workshops“ an, in denen interessierte Laien, die Tricks und Kniffe des Feinschliffs erlernen können.
Die Kurse finden im Schau-, Event- und Workshop-Raum in der Siebensterngasse 56, 1070 Wien, statt. Dieses ehemals leerstehende Geschäftslokal beherbergt heute die Galerie Scharf-Sinn, wo man unter dem Motto „Sehen – erleben – begreifen“ alles findet, was es zum Thema Messer zu erfahren und erleben gibt. Ausstellungen namhafter Messerschmiedekünstler ergänzen das Programm.

LORENZI feinste Stahlwaren & Schleiferei – Andreas Lorenzi
Siebensterngasse 41, 1070 Wien
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-12:30 und 14-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr
www.lorenzi.co.at

Mehr über diesen Traditionsbetrieb, den es übrigens schon seit mehr als 180 Jahren gibt, findest du auf der Website des Unternehmens, aber auch im Buch von Angelika Kampfer.

Alte Handwerksbetriebe neu beleben

In den letzten Jahren gibt es die Bestrebung alte Handwerksbetriebe zu erhalten und wieder zu beleben. Auf der Nachfolge-Börse der Wirtschaftskammer findet man immer wieder Geschäfte und Betriebe, die Nachfolger suchen. Zum Glück gibt es noch junge Menschen, die sich für die Schönheit der handwerklichen Techniken begeistern und den Mut besitzen, diese weiterzuführen – oft als Quereinsteiger.

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Weitergabe ist die Firma G. Dieroff Nachfolger e.U.
Diesen wunderbaren Laden in der Westbahnstraße 46 in 1070 Wien habe ich vor einigen Jahren entdeckt, als ich auf der Suche nach Gurten für ein Kunstprojekt war. Die Firma, die es bereits seit 1888 gibt, führt Seile, Schnüre, Gurte und Gewebe aus den unterschiedlichsten Natur- und Kunststoffmaterialien, sowie Metall- und Kunststoffzubehör, wie Ringe, Karabiner, Schnallen, Schließen. Außerdem findet man hier auch Ratran, Puddingrohr, Bambus und alles zum Spinnen, Weben und Filzen sowie die dazugehörige Wolle u.v.m.

Geleitet wird das Unternehmen von 2 Quereinsteigern Gerald Egger-Lampersberger und Georg Winner, die den Traditionsbetrieb in dem es sich so herrlich stöbern lässt, in seiner ursprünglichen Form erhalten haben.

Auch die Firma G. Dieroff Nachfolger e.U. setzt auf Handwerkskurse. Das Kursangebot umfasst Workshops in Filzen, Spinnen, Stricken und Knotenkunde.

G. Dieroff Nachfolger e.U.
Westbahnstraße 46 in 1070 Wien

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr
www.dieroff.eu

Speziell Kindern, aber auch alle jenen, die sich für altes Handwerk interessieren, bietet das Wienerwald Museum in Eichgraben die Möglichkeit, alte Handwerkskunst hautnah zu erleben.

Ausflug-Tipp:

„Lebendiges Handwerk“ im Wienerwald Museum in Eichgraben

Von Mai bis September gibt es immer am letzten Sonntag des Monats Handwerksführungen.
Als ich im letzten Jahr dem Museum einen Besuch abgestattet habe, habe ich mich sehr angeregt mit einem Handschuhmacher unterhalten und viel über dieses schöne Handwerk erfahren.

Wienerwald Museum & Fuhrwerkerhaus Eichgraben 
Hauptstraße 17, 3032 Eichgraben
www.wienerwaldmuseum.at

Die Marktgemeinde Eichgraben (bei Altlengbach) befindet sich ca. 29 km östlich von Wien und ist auch mit der Bahn gut erreichbar (30 min vom Wiener Westbahnhof).

Weiterführende Literatur zum Thema:

Vergessene Künste 
von John Seymour
Urania Verlag
ISBN-13: 978-3783162035

oder auch

Das neue Buch vom Leben auf dem Lande
von John Seymour
Dorling Kindersley Verlag
ISBN-13: 978-3831015771

Das Buch Vergessene Künste hab ich bereits, doch bei der Recherche zu diesem Artikel bin ich über das  Buch Das neue Buch vom Leben auf dem Lande, ebenfalls von John Seymour gestolpert.

Darin findest du nicht nur viele nützliche Infos zum Thema Selbstversorgung, sondern erfährst z.Bsp. auch, wie man Bier braut und erhältst Einblicke in diverse handwerkliche Fähigkeiten. Es gibt auch noch ein Kapitel über  Energie- und Abfallwirtschaft.

Werd ich mir demnächst besorgen.

(März 2018)
Fotos: Andrea Bauer

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Frau Bauer,
    vielen herzlichen Dank für Ihre feinsinnige Buchempfehlung und unsere Erwähnung in diesem Zusammenhang!
    „Scharf-sinnigste“ Grüße
    Andreas Lorenzi

    1. Lieber Herr Lorenzi, es war mir eine große Freude mitzuerleben mit welcher Begeisterung Sie über Ihr Handwerk sprechen – gelebte Leidenschaft, die man in all Ihrem Tun spürt. Find ich klasse und gehört verbreitet.

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